>> Silvia Neid, Sie galten mit Ihrer Mannschaft nicht unbedingt als Goldkandidat. Eher als Geheimtipp für den Fall, dass alles optimal läuft.
Unser Ziel war das Halbfinale und danach sehen. Wir haben uns in Thailand als spielstarke und physisch fitte, offensiv orientierte Mannschaft gezeigt. Der Angriff – das ist unser Spiel mit diesem Team. Und natürlich das Teamwork. Wir haben uns im Turnier immer weiter gesteigert. Meine Spielerinnen haben bei diesem Hitzeturnier in unglaublicher Weise alles gegeben. Jetzt sind wir Weltmeister. Wir sind die Besten. Dieses phantastische Teamwork ist dann bei aller Qualität der Schlüssel zum Erfolg.
>> Womit die Ansprüche noch weiter steigen. Frauen-Weltmeister und U19-Frauenweltmeister Deutschland. Was kann da noch kommen?
Natürlich sind wir bemüht, diesen Titel, so lange wie möglich zu halten. Aber im Vordergrund beim Nachwuchs stehen Aspekte der Ausbildung. Erfahrungen sammeln in den unterschiedlichsten Bereichen. Mein Ziel ist es, jedes Jahr möglichst viele Spielerinnen so auszubilden, dass sie im A-Team bestehen können. Das ist der Zweck unserer U 19. Wenn dabei Titel gesammelt werden können, ist das schön. Aber es ist nicht das vordringliche Ziel. Wichtig ist bei Jahrgangsmannschaften, sich immer neu international zu qualifizieren, dabei zu sein.
>> Wie erklären Sie diese Überlegenheit? Andere Teams haben sich Monate lang vorbereitet. Sie haben Ihre Vorbereitung in den laufenden Spielbetrieb eingegliedert und auch eingliedern müssen?
Das ist im Nachhinein natürlich Gütesiegel für unsere Bundesliga und unser Ausbildungssystem: Länderpokal-Sichtungen, Bundesliga-Herausforderungen. Der ganze Trainings- und Spielbetrieb. Neben dem Erfolg muss ich auch feststellen, dass unsere Spielerinnen sich sehr schnell regeneriert haben, über keine Wehwechen klagten wie das bei anderen Nationen der Fall war. Also, schlecht kann unser System demnach nicht sein.
>> Auffällig ist, dass sieben Spielerinnen dem FCR Duisburg angehören. Turbine Potsdam stellt vier Spielerinnen. Setzen Sie doch irgendwo auf Blöcke?
Keinesfalls. Das täuscht. Die Duisburgerinnen sind zu dieser Saison aus dem ganzen Bundesgebiet zusammengekommen. Simone Laudehr zum Beispiel kommt von Bayern München. Ich will damit die Vereinsarbeit nicht schmälern, aber die Sichtung und Talentfindung geschieht doch schon eher bei den DFB-Länderpokalturnieren. Die Spielerinnen wachsen dann über die U 17 in ihre neuen Aufgaben herein. Die DFB-Ausbildung bringt sehr viel. Ein krasses Beispiel ist unsere Torhüterin Tessa Rinkes vom MTV Mellendorf aus der 4. Liga. In Bangkok haben wir jeden Tag an ihren Schwächen gearbeitet. Tessa hat sich im Turnierverlauf, weil sie gefordert wurde, unglaublich gesteigert.










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