30-Meter-Freistoß-Tor bringt den Sieg
Eine echte Geduldsaufgabe hatten am Montag die Spielerinnen des 1. FFC Turbine Potsdam zu lösen. Dabei machte es sich das junge Team von Trainer Bernd Schröder selbst unnötig schwer, denn mit vielen Unkonzentriertheiten und Stockfehlern spielten die Potsdamerinnen ihren Gästen aus Crailsheim regelrecht in die Karten.
Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Anja Mittag und Stefanie Draws („zwei unserer Kreativposten”, so Bernd Schröder), hatte der Potsdamer Trainer gleich mehrere Umstellungen seiner Elf vorgenommen. So spielte die Turbine mit einer Dreier-Abwehrkette (Schiewe, Peter, Schlanke), die Finnin Essi Sainio war auf der rechten Mittelfeldposition in die Startelf gerückt. Zudem liefen die Potsdamerinnen heute nach langer Zeit wieder einmal mit einem Dreierangriff auf, in den auch die norwegische Nationalspielerin Leni Larsen Kaurin rückte (Wich, Schmidt, Kaurin). Die Gäste ihrerseits, nur mit einer einzigen Sturmspitze (Claudia Nußelt) angetreten, zeigten viel Selbstbewusstsein, spielten forsch und mit großem Kampfgeist und lauerten auf ihre Chance, von „der wir wussten, dass sie kommen wird und die wir nutzen wollten”, so TSV-Trainer Andreas Haferkamp nach dem Spiel.
Nach einer ersten Abtastphase erarbeiteten sich die Gastgeberinnen zunächst ein leichtes spielerisches Übergewicht, ohne dass sie dies in Zählbares ummünzen konnten. Zu harmlos waren die Schüsse von Isabel Kerschowski (6.), Essi Sainio (8.) und Aferdita Kameraj (10.). Die Gäste aus Crailsheim benötigten gute zehn Minuten, dann hatten sich auf das Spiel der Potsdamerinnen eingestellt und begannen mehr und mehr mitzuspielen und so das Spiel offener zu gestalten. Vornehmlich aufs Kontern eingestellt hatte die Mannschaft des TSV die 1:0-Führung nach zehn Minuten Spielzeit fast auf dem Fuße, als deren Goalgetterin Nußelt sich in zentraler Position gut 18 Meter vor Schumanns Gehäuse durchtankte, Turbines Defensive nur halbherzig nachsetzte, so dass die Crailsheimer Stürmerin nahezu unbedrängt zum Abschluss kam und das Leder nur wenige Zentimeter neben den rechten Pfosten setzte (10.). Gegen den defensiv dicht gestaffelten TSV - phasenweise sahen sich die Potsdamer Stürmerinnen sechs oder gar sieben „Weißen” gegenüber - bissen sich die Gastgeberinnen zunächst nahezu die Zähne aus. So musste eine Standardsituation zum Führungstreffer herhalten. Eine von Isabel Kerschowski flach hereingegebene Ecke köpfte Babett Peter nach einer halben Stunde Spielzeit mustergültig ins linke untere Eck zum 1:0 ein (29.). Während die Potsdamerinnen von dem Tor zwischenzeitlich beflügelt schienen und sofort nachlegen wollten, insbesondere erwähnenswert dabei die Großchance von Carolin Schiewe per Kopf knapp neben den linken Pfosten (31.), hätte es gut und gern zur Halbzeit auch 1:1 heißen können. Die Querlatte rettete nach Nußelts Schuss kurz vor dem Pausenpfiff (44.), so dass es mit einer knappen 1:0-Führung für die Turbinen zum Pausentee ging. Geschwächt hatte den TSV zwischenzeitlich die verletzungsbedingte Auswechslung von Abwehrspielerin Karin Burger, die bereits angeschlagen (Zerrung im Oberschenkel) ins Spiel gegangen war und vorzeitig wieder vom Platz musste (36.).
Bis dato hatten die Turbinen insbesondere „im Defensivbereich Abstimmungsprobleme offenbart”, so Trainer Schröder, was die Gäste aus Crailsheim auszunutzen wussten, setzten sie doch mit ihrem Konterspiel immer wieder gefährliche Nadelstiche. Die Potsdamerinnen wollten es im zweiten Durchgang besser machen und starteten schwungvoll. So standen in der ersten Viertelstunde nach dem Wiederanpfiff auch etliche Tormöglichkeiten zu Buche, jedoch zeigten sie sich im Abschluss letztlich zu unkonzentriert und damit auch glücklos. In der 56. Minute zappelte der Ball dann doch im Netz, ein Tor, das Schiedsrichterin Storch-Schäfer jedoch nicht gab, hatte sie doch eine Behinderung von Torfrau Howard gesehen. Es wäre der zweite Saisontreffer von Essi Sainio gewesen. Im Gegenzug hatte Nußelt den Ausgleich auf dem Fuße, als sie Josephine Schlanke über die linke Außenbahn entwischte. Desirée Schumann bewies ein gutes Auge und konnte die Situation im Herauslaufen in letzter Situation klären (63.). Nur wenig später erneut die Crailsheimerinnen mit einer Großchance - der von Nadine Beck aus 25 Metern stark getretene Freistoß war jedoch erneut eine sichere Beute von Schumann (64.). Nach 20 Minuten Spielzeit ließ der Schwung der Potsdamerinnen nach, der TSV witterte seine Chance und erarbeitete sich ein zunehmend ausgeglicheneres Spiel. Nur von Zeit zu Zeit ließen die Gastgeberinnen ihren Spielwitz aufblitzen, so zeigte Leni Kaurin nach 71 Minuten im Zusammenspiel mit Bianca Schmidt eine herrliche Kombination über rechts, im anschließenden Strafraumgewimmel schafften es jedoch gleich drei Potsdamerinnen nicht, das Leder im Gehäuse unterzubringen. Die Situation offenbarte gleichzeitig das Dilemma der Potsdamerinnen - zu zaghaft, zu unkonzentriert, mit fehlender Kaltschnäuzigkeit im Abschluss offenbarten sie ihre mangelhafte Chancenverwertung.
Eine gute Viertelstunde vor dem Abpfiff mobilisierten die Gastgeberinnen noch einmal ihre Kräfte und starteten die Schlussoffensive. Nach gleich drei Eckbällen in Folge für die Turbinen, die allesamt keinen Erfolg brachten, starteten die Gäste zu einem fixen Konter in Person von Julia Manger. Die 19-Jährige setzte sich vehement gegen die Potsdamer Defensive durch und zog schließlich nahezu unbedrängt aus 14 Metern halbrechter Position an der herausgeeilten Desirée Schumann vorbei aufs lange Eck ab und prompt zappelte das Leder zum 1:1-Ausgleich im Netz (83.). Aufgrund des kämpferischen Einsatzes ein nicht unverdienter Treffer für die Gäste aus Crailsheim. „Ich habe meiner Mannschaft in der Halbzeitpause noch gesagt, dass wir unsere Chance bekommen würden. Wir müssten nur geduldigt sein und dann den Ball auch reinmachen”, sah sich TSV-Coach Haferkamp später in seiner Taktik bestätigt. Während sich vermutlich die meisten der 751 Zuschauer auf den Rängen bereits auf einen 1:1-Enstand einrichteten, schlugen die Turbinen jedoch fast im Gegenzug zurück und erzielten den neuerlichen Führungstreffer. Der fiel zwar etwas „ungeplant” und glücklich, jedoch spielte dieser Fakt letztlich auch keine Rolle mehr, verschaffte er den Potsdamerinnen doch endlich das dringend benötigte Erfolgserlebnis. Aus gut 30 Metern Torentfernung hatte Kapitänin Jennifer Zietz auf links nahe der Torauslinie mit einem strammen Schuss einen Freistoß in den Strafraum gebracht, wo der Ball noch einmal aufsetzte und anschließend im rechten oberen Eck einschlug (85.). „Das war so gar nicht beabsichtigt”, erklärte Zietz später, freute sich jedoch nach zunächst ungläubigen Blicken umso mehr über ihren dritten Saisontreffer, der gleichzeitig den Sieg bedeutete. Denn bei dem 2:1 blieb es bis zum Abpfiff, so dass die Turbinen mit nun 22 Punkten den dritten Tabellenplatz weiter manifestieren konnten. Nicht zuletzt auch ein wichtiger Sieg für die Moral der jungen Truppe, die nach zwei Remis in Folge und zuvor der Niederlage im DFB-Pokal-Viertelfinale endlich wieder ein Erfolgserlebnis verzeichnen konnte.
Milde gestimmt zeigte sich im Anschluss an die Partie dann auch der Potsdamer Coach Bernd Schröder, der um „Geduld, Geduld, Geduld” für seine jungen Spielerinnen bat, „wir haken das heutige Spiel ab und schauen bereits wieder nach vorn”. Neben seinem „Respekt vor dem Gegner, der ein richtig gutes Spiel gezeigt habe” erklärte Schröder, dass die Mannschaft „spielerisch zur Zeit nicht das Optimum zeigen kann, da wir Spielerinnen wie Mittag und Draws schmerzlich vermissen”. Während die klaren „Unsicherheiten in der Abwehr” weiteren Diskussionsbedarf ergeben dürften zeigte sich der Coach davon überzeugt, dass der eingesetzte Dreier-Sturm die erste Option für die Zukunft sei. „Wir werden auch zukünftig wieder mit drei Stürmerinnen auflaufen, da dies einfach unserem Spiel entspricht”, so Schröder.
Andreas Haferkamp schätzte den Sieg der Gastgeberinnen zwar als verdient, dennoch auch glücklich ein. Mit der Leistung seiner Mannschaft zeigte er sich „sehr zufrieden, die Mädels haben hervorragend gearbeitet, sich nicht versteckt und stets an sich geglaubt”. Die Taktik, auch in der zweiten Halbzeit das Spiel so offen wie möglich zu gestalten, sei schließlich mit dem Treffer zum 1:1 auch aufgegangen. Der anschließende Siegtreffer der Turbinen zum 2:1 sei „halt unglücklich gefallen”.
Quelle: 1. FFC Turbine Potsdam









0 Kommentare bis jetzt ↓
Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Eintrag, aber über dieses Formular kann sich dies schnell ändern:
Einen Kommentar hinterlassen: