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Olympia: Halbfinals sind klare Angelegenheiten

19. August 2008 · 1 Kommentar

Die Halbfinalspiele vom gestrigen Montag resultierten jeweils in eindeutigen Ergebnissen: Brasilien setzte sich mit 4:1 gegen Deutschland durch, die USA schlugen Japan mit 4:2. Bemerkenswert: In beiden Spielen schied das Team aus, das als erstes ins Tor getroffen hatte.

Die deutsche Auswahl begann stark, setzte die nervös wirkende brasilianische Defensive unter Druck und wurde in der 10. Minute durch das 1:0 belohnt, nachdem die erst 20-jährige Abwehrspielerin Erika bei der Ballannahme patzte, den Ball zu weit abspringen ließ und Birgit Prinz so die erste Großchance des Spiels eröffnete. Prinz spielte noch Torhüterin Barbara aus und schob den Ball dann zum 1:0 ins Netz. In der Folge hatten Melanie Behringer und Anja Mittag jeweils noch eine gute Möglichkeit, den Abstand zu vergrößern.

Mit zunehmender Spieldauer übernahmen die Südamerikanerinnen jedoch immer mehr die Initiative und erspielten sich Torchancen, von denen letztendlich kurz vor Ende der ersten Hälfte auch eine zum Ausgleich genutzt werden konnte: Cristiane setzte sich auf der linken bahn gut durch, legte den Ball in den Rücken der Abwehr, die sich geschlossen auf Marta konzentrierte. Diese traf den Ball mit ihrem Schussversuch aber nicht, sodass er unbehelligt bis zu Formiga weiterlaufen konnte. Formiga kam frei und unbedrängt zum Schuss, den sie hart und platziert ohne Abwehrmöglichkeit für Nadine Angerer im Tor unterbrachte.

Die zweite Halbzeit begann noch furioser als die erste; nach gerade einmal 30 Sekunden schlug Marta schon die erste Flanke in den deutschen Strafraum, wo sie aber keinen Abnehmer erreichte. Nach drei Minuten hatte sich Deutschland die erste Ecke erarbeitet, die jedoch zum Bumerang wurde: den klärenden Kopfball nahm Marta auf, sofort rückten die Brasilianerinnen zum Konter aus, den sie mit vier gegen zwei spielen konnten, sodass Cristiane aus etwa zehn Metern frei zum Abschluss kam. Für die Topschützin des Turniers in ihrer gegenwärtigen Verfassung nur Formsache.

Das nächste Tor fiel nur vier Minuten später. Die DFB-Elf war noch dabei, sich nach dem frühen Rückstand zu sammeln, als schon der nächste Konter auf sie zurollte. Diesmal zog Marta selber in den Strafraum, überraschte alle Gegnerinnen mit einem gekonnten Außenristschuss und verpasste Deutschland mit ihrem ersten Turniertor den K.O.-Schlag.

Den finalen Höhepunkt setzte Cristiane eine Viertelstunde vor Schluss, als sie das schönste Tor der Partie erzielte. Mangels nachrückender Anspielstationen setzte sie diesmal zum Dribbling an, spielte sich durch ein Knäul aus vier deutschen Spielerinnen hindurch und erwischte Nadine Angerer mit dem Schlenzer auf dem falschen Fuß.

So schlecht, wie das Ergebnis vermuten lassen könnte, hat die deutsche Mannschaft aber keineswegs gespielt. Es fehlte in einigen Situationen erneut das Glück und die Entschlossenheit im Abschluss, die Gegentore der zweiten Hälfte vielen allesamt durch Konter, in einem K.O.-Spiel bekanntermaßen nichts ungewöhnliches, da die zurückliegende Mannschaft nichts zu verlieren hat und alle Kräfte in die Offensive investieren muss. Vor allem die Moral imponierte, selbts in den Schlussminuten, als schon alles verloren war, ließen Kampfgeist und Einsatz nicht nach. Unter diesen Voraussetzungen liegt die Bronzemedaille vollkommen im Bereich des möglichen

Das zweite Spiel des Tages offenbarte eine der größten Schwächen des deutschen Gegners im kleinen Finale: Die japanische Torhüterin ist schlichtweg zu klein. Nachdem die Japanerinnen, die als krasse Außenseiterinnen antraten, in der 17. Minute durch Ohno in Führung gegangen waren, brauchten die US-Girls zwar eine Zeit, bis sie zurück ins Spiel fanden, dann waren sie aber voll und ganz bei der Sache: in der 41. Minute traf Angela Hucles nach einer schönen Kombination und einer flachen Flanke von rechts zum Ausgleich; noch vor der Halbzeit war es Lori Chalupny, die mit einem harten Schuss, der über der Torhüterin Fukumoto einschlug, die Führung erzielte. Eine Schlussfrau, die größer als die 1,65 Meter kleine Fukumoto ist, hätte den Ball wahrscheinlich abwehren können.

Die zweite Hälfte entwickelte sich Phasenweise zu einem Spiel auf ein Tor: Japan musste einen furiosen Sturm der USA über sich ergehen lassen und darauf hoffen, dass die eine Chance zum Ausgleich sich irgendwie ergeben würde. Doch irgendwann war der vorentscheidende dritte Treffer dann doch gefallen, Heather O’Reilly traf aus sehr spitzem Winkel, fast von der rechten Seitenausline ins Tor. Wieder war Schlussfrau Fukumoto Hauptschuldige, sie hatte den Ball wohl zunächst als Flanke eingeschätzt, war dann erneut zu klein, um in der Rückwärtsbewegung noch eine Abwehrchance zu haben.

Den vierten Treffer markierte erneut Angela Hucles, diesmal jedoch eher unfreiwillig. Eine Flanke von der rechten Seite verunglückte ihr, rutschte über den Spann - und überraschte Fukumoto. Gewisse Parallelen zum 3:1 waren diesem Treffer nicht abzusprechen. In der Nachspielzeit trafen die japanerinnen dann doch noch ein zweites Mal, das Tor kam aber viel zu spät, um noch Hoffnung zu erzeugen. Arakawa war die Schützin.

Das Finale verspricht unter diesen Umständen ein großes Spiel zu werden, beide Finalteilnehmer trafen je vier mal alleine im Halbfinale. Auch die Gesamtleistungen beider Mannschaften waren sehr überzeugend, sie zogen verdient ins Endspiel ein und können sich berechtigte Hoffnungen auf die Goldmedaille machen. Das “kleine Finale” um Bronze hat mit Deutschland womöglich einen Favoriten, aber wichtig wird hier unter Umständen die Frage sein, welche Mannschaft nach der letzten Niederlage die Spannung und die Konzentration besser aufrecht erhalten kann.
 

Das Halbfinale im Überblick:

Brasilien - Deutschland 4:1 (1:1)

Brasilien: 12 Barbara (TW), 2 Simone, 4 Tania (C), 5 Renata Costa, 6 Maycon, 7 Daniela (76. 13 Francielle), 8 Formiga, 9 Ester, 10 Marta, 11 Cristiane (86. 15 Fabiana), 16 Erika

Deutschland: 1 Angerer (TW), 2 Stegemann, 4 Peter, 5 Krahn, 7 Behringer (60. 13 Okoyino da Mbabi), 9 Prinz (C), 10 Lingor, 11 Mittag (60. 15 Bajramaj), 14 Laudehr, 17 Hingst, 18 Garefrekes

Tore: 0:1 Prinz (10.); 1:1 Formiga (43.); 2:1, 4:1 Cristiane (49.,76.); 3:1 Marta, (53.)

Gelbe Karten: Renata Costa, Marta, Formiga - Laudehr, Prinz

Schiedsrichterin: Hong (KOR)

Zuschauer: 26.976
 

Japan - USA 2:4

Japan: 1 Fukumoto (TW), 2 Kinga, 3 Ikeda (C), 4 Iwashimizu, 7 Ando (56. 13 Hara), 8 Miyama, 10 Sawa, 11 Ohno (71. 9 Arakawa), 14 Yano (73. 12 Maruyama), 15 Sakaguchi, 17 Nagasato

USA: 1 Solo (TW), 2 Mitts (86. 14 Cox), 3 Rampone (C), 5 Tarpley (67. 6 Kai), 7 Boxx, 8 Rodriguez (83. 12 Cheney), 9 O’Reilly, 11 Lloyd, 15 Markgraf, 16 Hucles, 17 Chalupny

Tore: 1:0 Ohno (17.); 1:1, 1:4 Hucles (41., 81.); 1:2 Chalupny (44.), 1:3 O’Reilly (71.), 2:4 Arakawa (90.+3)

Gelbe Karten: O’Reilly, Mitts

Schiedrichterin: Petignat (SUI)

Zuschauer: 50.937

Kategorie: FF>>Aktuell · FF>>Nationalmannschaft

1 Kommentar bis jetzt ↓

  • 1 Laura // Aug 19, 2008 at 19:50

    Interessant.
    Im Artikel heißt es „….die Gegentore der zweiten Hälfte vielen allesamt durch Konter, in einem K.O.-Spiel bekanntermaßen nichts ungewöhnliches, da die zurückliegende Mannschaft nichts zu verlieren hat und alle Kräfte in die Offensive investieren muss.“

    „Investieren müsste“ wäre hier treffender. Denn warum wurde bei Rückstand der deutschen Mannschaft eine Stürmerin ausgewechselt, für die eine Mittelfeldspielerin ins Spiel gebracht wurde die nun als Stürmerin agieren sollte, während eine Topstürmerin wie Conny Pohlers auf der Bank bleiben musste?
    Vielleicht nutzt das FF Magazin die Gelegenheit und befragt die Bundestrainerin bei Gelegenheit dazu.

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