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Fußball-Weltmeisterin Nia Künzer in Halsenbach – Podiumsdiskussion zum Thema Mädchenfußball

19. März 2009 · Keine Kommentare

Sie war eigentlich die „Frau für das Grobe“ im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Doch genau in der 98. Minute in der Verlängerung im Finale der vierten Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2003 in den USA leistete Nia Künzer Filigranarbeit. Sie verlängerte einen Freistoß von Renate Lingor per Kopf unhaltbar zum 2:1 und damit zum Titelgewinn per „Golden Goal“ ins schwedische Tor.

Mit freundlicher Genehmigung des Fußballverbandes Rheinland e.V.

Das „Golden Goal“ ist längst Geschichte, doch der Treffer  verursacht auch heute noch ein „Gänsehautgefühl“, wie die 29-jährige heutige Angestellte in hessischen Innenministerium am Dienstag auf einer Podiumsdiskussion des Fußballverbandes Rheinland zum Thema „Frauen- und Mädchenfußball im Zeichen der FIFA-Weltmeisterschaft 2011 versicherte. „Besonders dann“, so Künzer, „wenn die Bilder aus dem Stadion von Carson City, so wie hier in Halsenbach geschehen, die Erinnerungen direkt ins Gedächtnis rufen, dann kribbelt es schon. Und ich bin mir sicher, das wird immer so bleiben.“

Nia Künzer wurde als Ehrengast am Podium im Hotel „Zur Katz“ in Halsenbach begrüßt vom Vorsitzenden des Verbandsjugendausschusses, Peter Lipkowski. Mit dem FVR-Präsidenten Walter Desch, Ina Hobracht als Mitglied im Frauen- und Mädchenausschuss im Deutschen Fußball-Bund, Petra Wagner, der Mädchenreferentin des FVR, Uli Klar als Koordinator für Mädchen-Leistungsfußball im FVR, Klaus Staaden, Jugendleiter und Mädchentrainer beim SSV Buchholz und Moderator Stefan Pauly stellte Lipkowski die weiteren Fachleute am Podium den etwa 50 Interessenten im Zuschauerraum vor.

Nia Künzer beschrieb zunächst einmal ihren Weg bis ins kalifornische Carson City. Ein Weg, der auch heute noch viel genutzt wird: „Schon als Fünfjährige habe ich mit meinen Brüdern Fußball gespielt und war dann auch in Jungenmannschaften als Vorstopper nicht gerade für die Feinarbeit zuständig. Hier habe ich den Grundstein gelegt für die Karriere in der Frauenfußball-Nationalmannschaft und den Gewinn der Weltmeisterschaft.“

Aber nicht nur für die eigene Karriere, denn trotz aller Erfolge, und das zeichnet Nia Künzer und ihre Weggefährtinnen im Fußball aus, erachten sie es als ganz natürlich, auch an der Basis zu arbeiten und so zum Beispiel in Halsenbach Werbung für den Frauenfußball und die jetzt anstehende FIFA-Weltmeisterschaft 2011 Deutschland zu machen. Hier werden weitere Grundsteine zur Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs gelegt. Das betont auch Walter Desch, wenn er indirekte Vergleiche zieht: „Die Nationalspielerinnen mischen sich unter ihre Fans und sorgen von daher nicht nur durch ihre tollen Leistungen und Erfolge dafür, dass der Frauenfußball boomt.“

Dass das der Fall ist, unterstreichen auch unisono Petra Wagner und Ina Hobracht. Die beiden Fachfrauen sehen den Frauen- und Mädchenfußball auf einem guten Weg, der allerdings noch sehr weit ist. Da sind sie sich mit Nia Künzer einig, die die Spitzenposition des deutschen Frauenfußballs in der Welt als „tolle Sache“ bezeichnet, gleichzeitig aber das Fehlen einer breiten Basis bemängelt: „Da müssen wir handeln. Nicht überstürzt, aber Schritt für Schritt muss die Basis auf eine breitere Ebene gestellt werden. Und das setzt voraus, dass Frauen auch mehr und mehr in Führungspositionen hineinwachsen. Das fängt bei den Vereinen an und hört ganz oben auf.“

Einen ersten Schritt, der vom DFB jetzt über die Landesverbände zurückgelegt wird, nennt Walter Desch: „Ohne die Schulen geht kaum noch etwas. Wir müssen die Aktion Schule und Fußball intensiv angehen. In den Grundschulen unterrichten Lehrerinnen, die noch nie im Leben gegen einen Ball getreten haben. Dem wirken wir jetzt mit Kurzschulseminaren entgegen, in denen wir die Grundelemente unseres Sports vermitteln, die dann begeistert angenommen werden. Hier, in den Grundschulen liegt auch das Zukunftspotenzial für unsere Vereine. Allerdings: Wer nicht von sich aus aktiv wird, der bleibt auf der Strecke. Wir müssen die Lehrerin ansprechen, ob sie ihre Arbeit aus der Schule nicht auch im Verein weiterführen kann und will. Sagt sie zu, dann ist das der Weg zu einer neuen Jugendmannschaft, seien es Jungen oder Mädchen, nicht mehr weit.“

Und dann ist da ja auch noch die Frauen-WM 2011. „Ich denke schon“, so Nia Künzer, „dass die sich schon, je nach Abschneiden der deutschen Mannschaft, in einer kleinen Explosion auf die Entwicklung auswirkt. Aber mir persönlich geht es nicht um eine Explosion. Für mich steht ein beständiges, gesundes Wachstum im Vordergrund. Wichtig ist die Nachhaltigkeit, nicht die Schnelligkeit.“

Kategorie: Porträt / Interview

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