Turbine-Trainer Bernd Schröder leitet seit 37 Jahren die Geschicke des 1. FFC Turbine Potsdam, hat in dieser Zeit aus der einstigen Betriebssportgemeinschaft einen der erfolgreichsten Frauenfußballvereine Deutschlands und Europas machen können. Am Samstag, den 30. Mai 2009, bestreitet der dienstälteste Trainer der Liga mit seinem jungen Team das vierte DFB-Pokal-Finale in der Geschichte des Vereins.
Mit freundlicher Genehmigung des 1. FFC Turbine Potsdam
Herr Schröder, mit welchen Gefühlen blicken Sie dem DFB-Pokal-Finale gegen den FCR Duisburg am Samstag entgegen?
Bernd Schröder: Mit dem Erreichen des DFB-Pokal-Finals haben wir unser primäres Saisonziel erreicht. Darüber bin ich natürlich froh. Wir bereiten uns dieser Tage im Training intensiv und konzentriert auf das Spiel am Samstag vor, unser Ziel ist es, beim letzten Pokalfinale in Berlin zu einem hochklassigen, attraktiven Spiel beizutragen.
Es wird das vorerst letzte Pokalfinale im Berliner Olympiastadion sein. In den zunächst kommenden zwei Jahren soll das Endspiel der Frauen seinen eigenen, neuen Austragungsort erhalten.
Bernd Schröder: Ich bedaure diese Entscheidung nach wie vor, da die Atmosphäre im Olympiastadion vor Berlin, mit all dem Drumherum, auch dem des Männerfinals, für die Spielerinnen und Verantwortlichen der Frauenfinalisten stets etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches ist, was man nicht so einfach in ein anderes Stadion kopieren kann. Ich bin der Meinung, dass der Frauenfußball von dieser Doppelveranstaltung – vor allem auch hinsichtlich der medialen Berichterstattung und einfach auch der Bühne, die die Veranstaltung in Berlin bietet – enorm profitiert. Ob ein Frauenfinale in einem eigenen Stadion an einem anderen Ort dies ebenfalls biet en kann, wird sich zeigen müssen.
In der Liga stehen gegen Finalgegner Duisburg ein 2:2-Remis im Hinspiel sowie ein klarer 3:0-Sieg aus dem Rückspiel zu Buche.
Bernd Schröder: Unsere Begegnungen gegen den FCR in der Bundesliga sind Geschichte, am Samstag erwartet uns ein völlig anderes Spiel. Duisburg hat den Vorteil, durch die UEFA-Cup-Partien im Rhythmus zu sein, hinter uns liegt hingegen ein spielfreies Wochenende, wir müssen erst wieder reinkommen. Ich denke, die Chancen für beide Mannschaften stehen fifty-fifty. Uns erwartet ein wesentlich schwierigeres Spiel als das 3:0 gegen Duisburg im März in der Liga, ebenso wie das 2:1 gegen Frankfurt vor kurzem. Wir haben eine gute Mannschaft, die ihre Qualität im Saisonverlauf mehrfach bewiesen hat. Die Mannschaft wird sich zerreißen und das Beste aus sich herausholen. Im Olympiastadion herrscht immer eine besondere Atmosphäre, diesmal sicher ganz besonders, da es das letzte Spiel in Berlin ist. Das wird uns ebenso wie die Duisburger sicher noch einmal besonders anspornen.
Ein paar Worte zu Ihrer Mannschaft – sind alle Spielerinnen fit und an Bord?
Bernd Schröder: Wir sind zum Beginn der Woche mit einigen Tests ins Training eingestiegen, die gezeigt haben, dass alle Spielerinnen sowohl ihre Hausaufgaben gemacht haben, als auch in körperlich guter Verfassung sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben wir all unsere Spielerinnen an Deck, ich hoffe, das bleibt auch bis Samstag so.
Wir haben keinen Grund, unsere Aufstellung zu ändern. Ansonsten bleibt zu sagen, dass sich beide Mannschaften in- und auswendig kennen. Wir haben eine klare Zielstellung – offensiven und damit auch attraktiven Fußball zu spielen und damit auch für eine Nachhaltigkeit im Sinne des gesamten Frauenfußballs zu sorgen. Gerade im Hinblick auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land im Jahr 2011 wollen wir unsere Sportart ordentlich vertreten.
Und ein paar Worte zum Gegner?
Bernd Schröder: Wir wissen natürlich, dass der FCR Duisburg in der vergangenen Woche den UEFA-Cup gewonnen hat und zu den Top-Teams Europas gehört. Die Duisburger haben das erste Mal an dem internationalen Wettbewerb teilgenommen und ihn prompt gewonnen, da sind schon Parallelen zu unserer ersten UEFA-Cup Saison 2004/2005 zu sehen. Ich sage es nicht zum ersten Mal, Duisburg hat eine hervorragende Mannschaft, die bestens besetzt ist, auch auf der Bank. Das Team hat in dieser Saison in allen drei Wettbewerben eine gute Rolle gespielt – Meisterschaft, DFB-Pokal, UEFA-Cup. Der FCR ist bereits mehrmals im Finale in Berlin gewesen, die wünschen sich den DFB-Pokal. Durch den Gewinn des UEFA-Cups hat die Mannschaft von meiner Kollegin Martina Voss sicher auch noch einmal zusätzliches Selbstvertrauen sammeln können. Die Spielweise von Potsdam und Duisburg ähnelt sich, beide Mannschaften sind sehr offensiv ausgerichtet. Aus diesem Grund hoffe ich, dass wir am Samstag – auch im Sinne der Zuschauer – ein wirklich tolles Spiel haben werden.
Was für ein Spiel erwarten Sie denn?
Bernd Schröder: Wir können ja gar nicht anders, als offensiv zu spielen. Duisburg ebenso. Daher gehe ich davon aus, dass schon einige Tore fallen werden. Ich hoffe, es sind am Ende ausreichend Tore für uns. Erfolgreich wird sicher sein, wer am ehesten seine Spielweise durchbringen kann. Darüberhinaus kommt es auch auf die Tagesform an. Ebenso wird das Nervenkostüm, gerade der jüngeren Spielerinnen, eine Rolle spielen. Es kommen also viele Faktoren zusammen, die sich spielentscheidend auswirken können. In jedem Fall denke ich, dass die Konstellation Potsdam – Duisburg eine Spitzenbegegnung des deutschen Frauenfußballs ist. Für die Frauenfu&szl ig;ballfans ist das toll und es ist zu hoffen, dass mit einem tollen Spiel auch viele neue Fans gewonnen werden können.
Sie sprechen von den jüngeren Spielerinnen. Ihre Mannschaft hat einen Altersschnitt von knapp über 20 Jahren…
Bernd Schröder: Ja, das stimmt. Wir haben einen Altersdurchschnitt von 20.4 Jahren und damit eines der jüngsten Teams der Liga. Ich denke, dass wir gerade unsere jungen Spielerinnen gut auf das Erlebnis im Olympiastadion eingestellt haben. Wir haben oft mit ihnen darüber gesprochen, die gesamte Mannschaft hat sich emotional auf dieses Spiel eingestellt, z.B. anhand von Videoaufzeichnungen unserer Pokalendspiele in den Jahren 2004 bis 2006. Eine wichtige Rolle kommt dabei auch unseren erfahreneren Spielerinnen zu, insbesondere denen, die bei unseren Pokalendspielen in Berlin damals dabei waren. Sie sind jetzt ganz besonders gefragt wenn es gilt, voranzugehen und die jungen Spiele rinnen zu leiten.











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