Wie bereits vor geraumer Zeit berichtet stellten sich nach der im April 2009 in Antalya (Türkei) ausgetragenen Schul-WM, an der auch die U17-Juniorinnen des 1. FFC Turbine Potsdam teilnahmen, im Nachhinein Ungereimtheiten mit der zum WM-Sieger gekürten Mannschaft Chinas heraus, die unerlaubt Spielerinnen eingesetzt haben soll, welche verschiedenen chinesischen Auswahlteams angehören.
Mit freundlicher Genehmigung des 1. FFC Turbine Potsdam
Knapp drei Wochen nach Bekanntwerden der Vorwürfe in den chinesischen Medien berichteten auch deutsche und internationale Medien von diesem Fall, nach Insistieren Verantwortlicher des 1. FFC Turbine Potsdam ging der ISF schließlich den Vorwürfen nach. “Die Klärung der Angelegenheit wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen”, erklärte John Faveree, Assistent des ISF-Präsidenten am 12. Mai, schließlich sei die Führung der ISF-Verantwortlichen Chinas bis Ende Mai unterwegs in den USA. Faveree stellte jedoch klar: “Wenn sich die Vorwürfe bestätigen, müssen Pokal und Medaillen zurück und ihrem rechtmäßigen Besitzer, in diesem Falle der Mannschaft aus Deutschland, gegeben werden”.
Am vergangenen Mittwoch nun konnte Johan Faveree Neuigkeiten in dieser Angelegenheit vermelden. So habe die Chinesische Schulsport Federation (CSSF) jetzt bestätigt, dass die Mannschaft der Daping High School aus der Turnierwertung zu nehmen sei und Pokal und Medaillen an die ISF zurück gegeben werden. Die bis dato auf dem Silberrang geführte Mannschaft aus Deutschland rücke damit ebenso wie die Teams aus Dänemark und Brasilien um jeweils eine Platzierung auf. Somit stehen die U17-Juniorinnen des 1. FFC Turbine Potsdam nun als Schul-Weltmeister 2009 fest. “Die Rücksendung der Trophäen aus China kann länger dauern”, erklärte Faveree ebenfalls. Wann und in welcher Form die “Turbinen” also ihre rechtmäßig erkämpften Goldmedaillen überreicht bekommen, steht da mit noch in den Sternen. “Dazu kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen, kümmern wird sich darum dann die Deutschland-Verantwortliche des ISF Heidi Repser, sobald Pokal und Medaillen wieder in unserem Besitz sind”, so Faveree, der am Hauptsitz der ISF in Belgien tätig ist. Gleichzeitig betonte er, dass für ihn zunächst erst einmal die Klärung der Vorwürfe absolute Priorität gehabt habe. Er sei froh, dass diese nun erfolgt sei, alles weitere werden sich finden.
Am “grünen Tisch” wurde Potsdams Nachwuchstalenten so schließlich nun der rechtmäßig gewonnene Titel zugestanden. Was bleibt ist ein äußerst bitterer Nachgeschmack. Denn keine nachträgliche Goldmedaille der Welt macht einen auf dem Fußballplatz verlorenen Titel und zersplitterten großen Traum sowie die unzähligen Tränen der Enttäuschung und die vielen bitteren Stunden und Tage der Niedergeschlagenheit nach der Finalniederlage wett. Es waren sehr bittere Momente für die Potsdamerinnen, die sich ihnen nach Abpfiff des WM-Finals darboten. So waren sie nicht nur um Haaresbreite an dem heiß ersehnten Traum des WM-Titels vorbeigeschrammt, auf den sie sich in vielen schweißtreibenden Trainingseinheiten lange und intensiv vorbereitet hatten. Vielmehr war auc h das Drumherum der abschließenden Siegerehrung sowohl eines WM-Finals als auch einer professionellen Turnierorganisation äußerst unwürdig, wie Teamkoordinatorin Bettina Stoof berichtete: “Während das Team aus China gefeiert wurde, wurden wir als zweiter Sieger völlig links liegengelassen und gar keine Notiz mehr von uns genommen. Es war nach der bitteren Niederlage sehr schwer für uns, aber wir wollten trotzdem als faire Sportler auftreten und sind trotz der unwürdigen Situation zu den Chinesinnen gegangen, um ihnen zum Sieg zu gratulieren”.
Es steht nun die Frage im Raum, mit welcher Ernsthaftigkeit das Turnier organisiert wurde, wenn das Umgehen der offiziellen Turnieregeln so wie geschehen möglich ist. Turbine-Trainer Jürgen Theuerkorn berichtete beispielsweise von vor dem Turnier zugeschickten und auszufüllenden Formularen zur Bestätigung der Angehörigkeit jeder einzelnen Spielerin des WM-Teams zur teilnehmendem Schule, welche jedoch weder vor noch während noch nach dem Turnier das Interesse und die Aufmerksamkeit der Turnierorganisatoren fanden – die Abgabe wurde schlichtweg zu keinem Zeitpunkt mehr eingefordert. Wenig befriedigende Antwort von Norbert Kever vom ISF dazu: “Die chinesischen Schulen sind sehr groß. Die Überprüfung der einzelnen Spielerinnen ist dort viel schwieriger als vergleichsweise in Deutschland”. Das eine Überprüfung bereits seit Wochen bekannter Vorfälle schließlich erst nach Nachbohren der Betroffenen angeschoben wurde und sich dann noch einmal eines unverhältnismäßig langen Zeitraums bedurfte wirft ebenfalls kein gutes Licht auf die Ernsthaftigkeit des Interesses. Es ist nun eine spannende Frage, welche Auswirkungen die Ereignisse der diesjährigen Schulweltmeisterschaft und deren Erkenntnisse auf zukünftige, derartige Veranstaltungen haben werden.
Einen ausführlichen Bericht zu den ersten Recherchen „Betrug bei der Schul-WM 2009?“ finden Sie auch hier: www.turbine-potsdam.de/newsmeldung.php?id=15496&s=0809











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